Ilmenauer Professor und Unternehmer Karlheinz Brandenburg erhält die Helmholtz-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA)

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Am 16. August 2021 wurde dem Ilmenauer Prof. Dr.-Ing. Karlheinz Brandenburg in Wien die Helmholtz-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Akustik e.V. (DEGA) für sein herausragendes Lebenswerk zur akustischen Signalverarbeitung, insbesondere zur Audio-Kompression, verliehen. Die Auszeichnung, benannt nach Hermann von Helmholtz, einem der führenden Naturwissenschaftler des 19. Jahrhunderts, wird jährlich zur Jahrestagung DAGA für herausragende Lebenswerke auf dem Gebiet der Akustik vergeben. Die Preisträger werden durch den Vorstand der DEGA bestimmt.

Brandenburg mit Helmholtz-Medaille
© Anna-Maria Dorn/Fraunhofer IDMT
Der ehemalige Direktor des Ilmenauer Fraunhofer IDMT mit seiner neuesten Auszeichnung, der Helmholtz-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Akustik.

Der diesjährige Preisträger, Prof. Karlheinz Brandenburg, ist weltweit bekannt für seine wissenschaftlichen Verdienste zur Entwicklung und Etablierung des mp3-Standards. Gemeinsam mit seinem Entwicklerteam hat Karlheinz Brandenburg in den neunziger Jahren am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen mp3 zu einer weltweiten Fraunhofer-Erfolgsgeschichte gemacht. mp3 gilt noch heute als der erste, weltweit verbreitete Audiokomprimierungsstandard. Zahlreiche aktuelle Kompressionsverfahren, wie zum Beispiel MPEG Advanced Audio Coding AAC, basieren auf Brandenburgs Vorarbeiten.

International anerkannte und prämierte Forschungsarbeit

Im Jahr 2000 zog Brandenburg nach Ilmenau, um hier das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT aufzubauen und an der Technischen Universität den Lehrstuhl für Elektronische Medientechnik zu besetzen. Mit seinen Forschungsteams am Fraunhofer IDMT und der TU Ilmenau arbeitete Brandenburg beispielweise an der Entwicklung eines objektbasierten räumlichen Audiowiedergabeverfahrens auf Basis der Wellenfeldsynthese und an neuartigen psychoakustischen Verfahren zur verbesserten räumlichen Hörwahrnehmung.

Unter seiner wissenschaftlichen Anleitung entstanden viele erfolgreiche studentische Abschlussarbeiten und zahlreiche, mitunter sogar preisgekrönte, Dissertationen. Mit seinen Forschungsarbeiten und den erzielten Ergebnissen hat er international Maßstäbe gesetzt. Brandenburg erhielt für seine Arbeiten zahlreiche nationale und internationale Forschungspreise, Auszeichnungen und Ehrungen. Dazu gehört beispielsweise der Deutsche Zukunftspreis im Jahr 2000 zusammen mit seinen Erlanger Kollegen Harald Popp und Bernhard Grill oder 2006 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Darüber hinaus gilt er als einer der 120 wichtigsten Vordenker der Elektrotechnik aller Zeiten und wurde von der International Electrotechnical Commission (IEC) in deren »Hall of Fame« aufgenommen. Er ist zudem Autor zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge, hält derzeit mehr als 100 Patente und ist in der internationalen Normung sehr aktiv. 

Helmholtz-Medaille für internationale Spitzenforschung im Bereich Akustik

Über die Auszeichnung mit der Helmholtz-Medaille freut sich Karlheinz Brandenburg sehr, schließlich liest sich die Liste der bisher geehrten Persönlichkeiten wie das Who´s who der führenden Akustikwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen: »Viele der Preisträgerinnen und Preisträger kenne ich, mit anderen würde ich gerne mal das ein oder andere Fachgespräch führen – alle diese Personen schätze und bewundere ich sehr. Toll, dass ich jetzt einer von ihnen sein darf!«, so Brandenburg.

Auf zur nächsten »PARty«: Brandenburg gründet 2019 ein Unternehmen zur Entwicklung eines dreidimensionalen realistischen Hörerlebnisses für Kopfhörer

Brandenburg leitete bis zu seinem Ruhestand im Juni 2019 das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau. Als Seniorprofessor ist er weiterhin für das Institut für Medientechnik aktiv. Als neueste Aktivität hat er 2019 in Ilmenau die Brandenburg Labs GmbH gegründet. Gemeinsam mit seinem Entwicklerteam sowie wissenschaftlich unterstützt durch Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Medientechnik der TU Ilmenau und des Fraunhofer IDMT will Prof. Brandenburg ein dreidimensionales realistisches Hörerlebnis für Kopfhörer entwickeln. PARty heißt die technologische Idee und steht für »Personalized Auditory Reality«. Das intelligente System soll Geräusche der Umgebung aufnehmen und intelligent zuordnen, wo der Träger oder die Trägerin der Kopfhörer sich im Raum befindet und was um die Person herum akustisch passiert. Dabei hören die Träger die Töne realistisch von der richtigen Perspektive. Für ein individuell verbessertes Hörerlebnis können störende Geräusche auch ausgeblendet, und Geräusche, auf die sich der Träger oder die Trägerin fokussiert, verstärkt werden.

Die DEGA ist ein 1988 gegründeter, gemeinnütziger, wissenschaftlicher Verein und widmet sich verschiedensten Themenbereichen der Akustik. Ziel der DEGA ist es, Mitgliedern und Interessierten die Akustik näher zu bringen und einen entsprechenden Erfahrungsaustausch zu fördern. Aktuell umfasst der Verein über 1.900 Mitglieder, vornehmlich aus dem deutschsprachigen Raum. Einmal jährlich veranstaltet die DEGA zusammen mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft DPG, dem Verein Deutscher Ingenieure VDI und der Informationstechnischen Gesellschaft im Verband Deutscher Elektrotechniker ITG/VDE die Jahrestagung DAGA, für aktuelle Entwicklungen in der Akustik.