Ilmenau
Fraunhofer IDMT entwickelt Lösung zur Generierung bewegungssynchroner und lizenzfreier Musik
Musikrechte können für Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer zu einem echten Problem werden, wie die aktuellen Schlagzeilen rund um Olympia 2026 zeigten. Der spanische Eiskunstläufer Tomàs-Llorenç Guarino Sabaté, der für seine Kür zur Musik aus der Minions-Filmreihe bekannt ist, geriet kurz vor seinem Olympia-Debüt in Mailand-Cortina in eine Rechte-Kontroverse: Die Musik, die er über die Saison hinweg bei vielen Wettbewerben genutzt hatte, durfte er zunächst nicht bei den Olympischen Spielen einsetzen, weil die erforderlichen Copyright-Freigaben nicht rechtzeitig bestätigt wurden – nur wenige Tage vor dem Beginn der Wettkämpfe.
Die Herausforderung der rechtskonformen Nutzung von Musik für die Küren betrifft dabei nicht nur Profis, sondern auch Amateure, Jugendliche und Nachwuchssportlerinnen und -sportler. Denn viele Wettbewerbsaufzeichnungen werden automatisch auf Plattformen wie YouTube gesperrt, da die Musikrechte für diese Verwendungszwecke nicht pauschal erworben werden können.
Eine mögliche Lösung kommt jetzt vom Fraunhofer IDMT aus Ilmenau. KI-Forscher und Doktorand Amir Latifi Bidarouni vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT hat gemeinsam mit seinem Entwickler-Team im Rahmen der »Think Sport Data Hack Challenge 2025« eine Idee zur bewegungssynchronen und lizenzfreien Generierung passgenauer Musik entwickelt. Das Entwicklerteam mit dem schwungvollen Namen » DynamicBeats« setzte sich im finalen Pitch im Dezember 2025 in Lausanne (Schweiz) mit seiner Idee gegen sieben weitere internationale Entwickler-Teams durch und darf nun seine Siegeridee während der Olympischen Winterspiele in Mailand präsentieren.
Die Data Hack Challenge ist ein jährlicher internationaler Innovations-Hackathon der International Skating Union (ISU). Teams aus Wissenschaft, Hochschulen und Industrie arbeiten hier mit realen Eissportdaten, um mithilfe von Datenanalyse und Künstlicher Intelligenz neue Lösungen für Training, Performance-Analyse und Übertragung zu entwickeln.
Die Siegeridee
Amir Latifi Bidarouni und sein Team entwickelten ein KI-basiertes System, das Eiskunstlauf-Videos analysiert, Bewegungen der Athletinnen und Athleten erkennt, klassifiziert und diese in strukturierte Musikvorgaben übersetzt. Darauf basierend werden urheberrechtsfreie Soundtracks generiert, die perfekt zu den Bewegungen und dem Timing passen.
Mit einem optischen Trackingsystem werden Sprünge, Figuren und Abläufe der Kür erfasst und ein genauer Zeitplan für die Choreografie und die Bewegungsprofile erstellt. Darauf basierend generiert dann ein KI-System die entsprechende Musik, die perfekt auf die Bewegungen abgestimmt ist – dynamisch, individuell, lizenzfrei und in verschiedenen Musikstilen reproduzierbar.
Diese Lösung erlaubt es Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufern, ihre Küren ohne rechtliche Bedenken oder potenzielle Sperrungen aufzuführen, aufzuzeichnen und zu teilen – von den großen Olympischen Bühnen bis hin zu Trainingsvideos in Vereinen.
»Mit unserem Ansatz zur intelligenten Kombination von bildbasierter Bewegungsanalyse und KI-basierten Tools zur Musikanalyse und -empfehlung können wir passgenaue, KI-generierte Musik generieren – passend zur jeweiligen Kür, absolut synchron und vor allem lizenzfrei«, erklärt Bidarouni, der jetzt seine Ergebnisse persönlich in Mailand vorstellen wird.
Wir freuen uns, dass die Idee des Fraunhofer IDMT nun sogar im olympischen Kontext präsentiert werden kann – das ist eine besondere Anerkennung der wissenschaftlichen Leistung. Die Arbeit des Teams zeigt, wie angewandte Forschung aus Deutschland und insbesondere aus Ilmenau sogar innovative Lösungen für internationale Spitzensport Events liefert.
Die Präsentation findet am Sonntag, den 15. Februar 2026, im Allianz MiCo Kongresszentrum Mailand statt.
Home of Skating | Allianz MiCo Kongresszentrum Mailand
Sonntag, 15. Februar 2026 | 16:30–17:30 Uhr
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