Erfurt

Workshop Digital Broadcasting and Media 2026: Zwischen KI, Vertrauen und resilienten Medieninfrastrukturen

Pressemitteilung /

Wie lassen sich die Potenziale Künstlicher Intelligenz nutzen, ohne Vertrauen zu verspielen? Wie können Medienorganisationen technologische Innovation aktiv gestalten? Und welche Rolle spielen resiliente Infrastrukturen für die Informationsversorgung der Zukunft? Mit diesen Fragen beschäftigten sich am 22. und 23. September 2026 Fachleute aus Rundfunk, Medienindustrie, Forschung und Technologieentwicklung beim 19. Workshop Digital Broadcasting and Media WSDB im COMCENTER in Erfurt.

Porträtbild Hans Hoffmann hält Vortrag bei WSDB 2026 Erfurt
© Fraunhofer IDMT
Hans Hoffmann von der European Broadcasting Union (EBU) eröffnet den WSDB 2026 mit der Keynote »Vom Sender zum Schrittmacher: Medienorganisationen als Treiber technologischer Innovation«
Porträtbild Patrick Aichroth beim Anwenderworkshop zum WSDB 2026
© Fraunhofer IDMT
Im Anwenderworkshop diskutiert Patrick Aichroth (Fraunhofer IDMT) mit den Teilnehmenden, welche Rolle Glaubwürdigkeit in der KI-gestützten Medienproduktion spielt.
Gruppenbild Besichtigung Augustinerklosetr in Erfurt
© Fraunhofer IDMT
Im Rahmen des Social Events besichtigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des WSDB 2026 das Erfurter Augustinerkloster.

Gemeinsam mit den Kooperationspartnern Fraunhofer IIS, Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) und Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) bot das Fraunhofer IDMT erneut eine Plattform für den Austausch über aktuelle Entwicklungen und Zukunftsaussichten der Medienbranche.

Neben dem Fachprogramm blieb auch in diesem Jahr wieder Raum für persönliche Gespräche und Networking. Beim traditionellen Social Event besichtigten die Teilnehmenden das Erfurter Augustinerkloster, bevor sie den Abend bei einem gemeinsamen Essen in der Altstadt ausklingen ließen. Gerade diese Mischung aus Fachdialog und persönlichem Austausch macht den WSDB seit vielen Jahren zu einem festen Treffpunkt der deutschsprachigen Broadcasting-Community.

Medienhäuser gestalten den Wandel

Den Auftakt machte Hans Hoffmann von der European Broadcasting Union (EBU). In seiner Keynote »Vom Sender zum Schrittmacher« skizzierte er eine Branche im Wandel: Medienorganisationen seien heute weit mehr als Nutzer neuer Technologien. Sie entwickeln sich zunehmend zu aktiven Gestaltern technologischer Innovationen. Künstliche Intelligenz, cloudbasierte Produktionsumgebungen, neue Plattformarchitekturen und datengetriebene Geschäftsmodelle würden die Zukunft des Broadcastings maßgeblich prägen.

Darüber hinaus rückte Hoffmann Themen wie digitale Souveränität, Resilienz, Interoperabilität und vertrauenswürdige Medienangebote in den Mittelpunkt. Als wichtige Bausteine für die Medienproduktion der Zukunft nannte er offene Standards und Initiativen wie Dynamic Media Facilities (DMF) und MXL.

Viele der Themen, die Hoffmann zu Beginn adressierte, zogen sich wie ein roter Faden durch die beiden Veranstaltungstage.

Warnsysteme und resiliente Infrastrukturen gewinnen an Bedeutung

Gleich die erste Session zeigte, wie stark Fragen der Krisenvorsorge und Ausfallsicherheit in den Fokus rücken.

Andreas Schäfer von Media Broadcast berichtete über den Start der Einführungsphase von DAB+ Automatic Safety Alert (ASA) in Deutschland. Mit dem neuen Warnservice »ASA DE« können Warnmeldungen höchster Priorität automatisiert und georeferenziert über DAB+ verbreitet werden.

Direkt anschließend stellte Alexander Jahn von Bayern Digital Radio Lösungen vor, mit denen auch andere DAB-Ensembles auf diesen bundesweiten Warnkanal verweisen können. Die Diskussion im Nachgang zeigte deutlich: Die Teilnehmenden sehen in resilienten Rundfunknetzen und zuverlässigen Warnsystemen einen wichtigen Baustein gesellschaftlicher Resilienz.

Von der Broadcast-Infrastruktur zur Softwareplattform

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Transformation medientechnischer Infrastrukturen.

Hartmut Opfermann von BFE Studio und Medien Systeme stellte die EBU-Initiative Dynamic Media Facilities (DMF) vor. Sie beschreibt den Wandel von klassischen Hardware-Systemen hin zu flexiblen, softwaredefinierten Produktionsumgebungen.

Wie sich diese Konzepte praktisch umsetzen lassen, zeigte Carl Wilhelm Ihne von Lawo. Anhand konkreter Produktionsszenarien erläuterte er, welche Möglichkeiten softwarebasierte Workflows und moderne IP-Infrastrukturen künftig bieten.

Dass Künstliche Intelligenz dabei zunehmend Teil operativer Produktionsprozesse wird, verdeutlichten Christoph Raue von :xmg communications mit seiner Plattform »Radiomate« sowie Arne Borsum von 2wcom Systems. Während Raue automatisierte Audioproduktion auf Basis generativer KI vorstellte, zeigte Borsum anschaulich, wie sich KI-Systeme über das Model Context Protocol (MCP) direkt mit Broadcast-Geräten verbinden lassen.

Person mit Mikrofon im Publikum, sie spricht, unscharfe Personen im Hinter- und Vordergrund
© Fraunhofer IDMT
Der fachliche Austausch zwischen Medienpraxis, Forschung und Technologieentwicklung ist seit jeher ein Markenzeichen des WSDB.

Künstliche Intelligenz ist im Medienalltag angekommen

Wie vielfältig KI inzwischen eingesetzt wird, zeigte sich in den Vorträgen des weiteren Programms.

Ingo Hoffmann von artec technologies präsentierte die Entwicklung klassischer Broadcast-Logger hin zu KI-gestützten Analyseplattformen. Marcel Boeing von G&L Systemhaus stellte eine Lösung für Live- und On-Demand-Broadcast-Workflows vor, die Programme um automatisiert erzeugte Gebärdensprache ergänzt und damit neue Möglichkeiten für barrierefreie Medienangebote eröffnet.

Besonders praxisnah wurde es bei Christian Radler von tagesschau. Er zeigte, wie selbstverständlich KI inzwischen viele redaktionelle Prozesse unterstützt, von automatisierten Untertiteln bis hin zu Assistenzwerkzeugen für Journalistinnen und Journalisten. Darüber hinaus gab er Einblicke in aktuelle Entwicklungen bei KI-gestützter Bewegtbildproduktion, automatisierter Zielgruppenanalyse und neuen Formaten wie einem KI-unterstützten Teletext.

Den Blick auf die Gegenwart und  Zukunft moderner Medienarchive richtete Jens Fisseler vom Fraunhofer IAIS. In seinem Vortrag zeigte er die Entwicklung von der automatischen Inhaltsanalyse hin zu intelligenten Recherche- und Wissenssystemen auf.

Personen im Gspräch
© Fraunhofer IDMT
In den Pausen konnten die Teilnehmenden sich unter anderem über aktuelle Lösungen des Fraunhofer IDMT zum Thema automatische Werbeblockerkennung, Content Verification und Personensuche in umfangreichen Videoarchiven informieren.
Handydisplay mit geöffneter Umfrage, im Hintergrund unscharfe Person, die Vortrag mit Mikrofon hält
© Fraunhofer IDMT
Patrick Aichroth fragte im interaktiven Anwenderworkshop die Teilnehmenden nach ihrer Einschätzung zu konkreten Szenarien bezüglich der Herkunft und Vertrauenswürdigkeit von Mediendaten.

Vertrauen wird zur Schlüsselressource

Während KI in vielen Vorträgen bereits als selbstverständlich vorausgesetzt wurde, stand am zweiten Veranstaltungstag eine andere Frage im Mittelpunkt: Wie lassen sich Vertrauen und Transparenz in einer KI-gestützten Medienwelt sichern?

Im Anwenderworkshop des Fraunhofer IDMT diskutierten Patrick Aichroth und Hanna Lukashevich gemeinsam mit den Teilnehmenden die Herausforderungen von Content Verifikation, Authentifizierung, Provenienzanalysen und KI-Evaluation. Ein zentrales Ergebnis: Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch einzelne Werkzeuge, sondern durch das Zusammenspiel technischer Nachweise, transparenter Prozesse und redaktioneller Verantwortung.

Passend dazu stellte Kenneth Warmuth vom WDR sogenannte Content Credentials auf Basis des internationalen C2PA-Standards vor. Sie ermöglichen es, Herkunft, Integrität und Bearbeitungsschritte digitaler Inhalte nachvollziehbar zu dokumentieren.

Welche Rolle Daten, Metadaten und offene Standards für zukünftige Medienplattformen spielen, zeigten weitere Beiträge des Workshops. Robert Förster (Radiozeit) zeigte, wie sich Audio- und Videostreams mithilfe Künstlicher Intelligenz automatisiert und in Echtzeit analysieren lassen. Rainer Biehn (Bayerische Medien Technik GmbH) gab Einblicke in die Vorbereitungen zur Markteinführung von DVB-I und stellte interoperable Servicelisten sowie Testverfahren für Endgeräte vor.

Wie offene Datenstrukturen in der Praxis umgesetzt werden, erläuterten Tobias Rahn und Aleksandar Manojlovic von der ARD. Mit Domänen-Hubs und einer zentralen Integrationsschicht schafft die ARD die Grundlage für standardisierten Datenaustausch, effizientere Produktions- und Archivprozesse sowie künftige KI-gestützte Dienste.

Die Beiträge zeigten, dass die Zukunft digitaler Medien nicht allein durch Inhalte geprägt wird, sondern ebenso durch die Daten- und Systemarchitekturen im Hintergrund. Offene Standards und interoperable Datenstrukturen werden dabei zu entscheidenden Erfolgsfaktoren eines vernetzten Medienökosystems.

Metadaten, Sicherheit und Resilienz

Zum Abschluss des Workshops zeigte Werner Bleisteiner vom Bayerischen Rundfunk, wie standardisierte Metadaten auf Basis des Audio Definition Models (ADM) Produktions- und Distributionsprozesse besser vernetzen können. Prof. Dr. Matthias Schnöll von der Hochschule Anhalt gab Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten zur KI-gestützten Erzeugung und Nutzung von Metadaten für Mediatheken und IP-basierte Produktionsumgebungen. Christian Koch von TreeTop verdeutlichte, warum steigende Sicherheitsanforderungen und vernetzte Produktionsumgebungen automatisierte Verfahren für die Zertifikatsverwaltung erforderlich machen.

Den Schlusspunkt setzte Michael Moskob von Media Broadcast. Mit seinem Vortrag spannte er den Bogen zurück zu einem zentralen Leitmotiv des WSDB 2026: der Bedeutung robuster Medieninfrastrukturen für eine verlässliche Informationsversorgung in einer zunehmend digitalen und vernetzten Medienwelt.

Fazit: Die Zukunft des Broadcastings ist vernetzt, intelligent und vertrauenswürdig

Der WSDB 2026 zeigte eine Branche, die den nächsten Schritt ihrer digitalen Transformation geht. Künstliche Intelligenz hat vielerorts den Weg aus der Experimentierphase in den produktiven Einsatz gefunden. Gleichzeitig gewinnen Vertrauen, Transparenz und resiliente Infrastrukturen an Bedeutung.

Drei Themen prägten die Diskussionen besonders: die praktische Integration von KI in Produktions- und Analyseprozesse, der Ausbau widerstandsfähiger Medien- und Warninfrastrukturen sowie die wachsende Bedeutung von Daten, Metadaten und offenen Standards für die Medienwelt von morgen.

Ein passendes Resümee zog Hans Hoffmann von der EBU: »Der WSDB vereint in besonderer Weise die neuesten Perspektiven aus Medien, Rundfunk, Industrie und Forschung. Gerade in einer Zeit, in der KI, Datenplattformen und softwarebasierte Produktionsumgebungen die Branche verändern, ist dieser Austausch wichtiger denn je.« Damit spiegelte der WSDB 2026 die zentralen Herausforderungen der Branche wider: technologische Innovation vorantreiben, Vertrauen sichern und den Wandel aktiv gestalten. Genau diese Verbindung von Forschung, Praxis und strategischer Perspektive macht den Workshop Digital Broadcasting and Media seit über zwei Jahrzehnten zu einer wichtigen Plattform der deutschsprachigen Broadcasting-Community.

Wir bedanken uns bei unseren Sponsoren CGI Deutschland B.V. & Co. KG, Bayern Digital Radio GmbH, Innovationszentrum für Telekommunikationstechnik GmbH, Lawo AG und Media Broadcast GmbH für die Unterstützung der Veranstaltung.

Networking beim WSDB 2026 im COM Center Erfurt
© Fraunhofer IDMT
Die Pausen wurden intensiv genutzt, um neue Kontakte zu knüpfen und altbekannte Gesichter zu begrüßen.

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