SensAI entwickelt Methoden und Driver-Monitoring-Systeme zur Messung kognitiver Ablenkung

SensAI: Cockpit eines Forschungsfahrzeugs
© Fraunhofer IDMT
Cockpit eines der SensAI-Forschungsfahrzeuge: Kameras und Mikrofone erfassen Merkmale der Person am Steuer und der jeweiligen Fahrsituation.

Kognitive Ablenkung im Fahrzeug erkennen

Kognitive Ablenkung ist eine besondere Herausforderung für die Verkehrssicherheit: Fahrende können den Blick auf die Straße richten und dennoch relevante Situationen nicht bewusst wahrnehmen. Gängige Fahrerbeobachtungssysteme (Driver Monitoring Systems) erfassen vor allem einzelne sichtbare Merkmale oder kurzfristige Fahrerzustände. Für die Erkennung komplexer, multidimensionaler Zustände wie kognitiver Ablenkung reichen diese Informationen jedoch nicht aus.

Im Forschungsprojekt »SensAI« entwickeln die Fraunhofer-Institute IOSB, IMS und IDMT deshalb einen multimodalen KI-Ansatz, der verschiedene Informationen über Fahrende, Fahrzeug und Umgebung kombiniert. Ziel ist es, kognitive Ablenkung zuverlässig zu erkennen und damit neue Möglichkeiten für die Erfassung von Fahrerzuständen und zukünftige Driver-Monitoring-Systeme zu schaffen.

Neue Ansätze für die Fahrerzustandserkennung

Um komplexe Fahrerzustände wie kognitive Ablenkung zu erfassen, setzt SensAI auf multimodale KI. Kamera-, Audio- und Fahrzeugdaten werden über spezialisierte Encoder verarbeitet und für die gemeinsame Auswertung in einem multimodalen KI-System zusammengeführt. Statt einzelne Merkmale wie das Blickverhalten isoliert zu betrachten, werden so unterschiedliche Informationen über Fahrende und Fahrsituation miteinander kombiniert.

Das Fraunhofer IOSB bringt dafür seine Expertise in Computer Vision und Aktivitätserkennung ein. Das Fraunhofer IMS ergänzt die Analyse um kontaktlos aus Kameradaten erfasste Vitalparameter wie Herz- und Atemfrequenz. Das Fraunhofer IDMT erweitert das multimodale System um akustische Informationen.

Beitrag des Fraunhofer IDMT: Akustische Ereignis- und Anomalieerkennung

Im Projekt entwickelt das Fraunhofer IDMT Verfahren zur Erkennung und Klassifikation relevanter Klangereignisse und akustischer Anomalien. Dazu zählen Warnsignale sowie spontan auftretende, ablenkende Geräusche innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs. Auch sprachliche Informationen und der akustische Kontext der Fahrsituation werden berücksichtigt.

Die gewonnenen Informationen fließen gemeinsam mit visuellen Daten, Vitalparametern und Fahrzeugdaten in das multimodale KI-System ein. So trägt die akustische Analyse dazu bei, unterschiedliche Einflussfaktoren auf den Fahrerzustand abzubilden und kognitive Ablenkung umfassender zu erfassen.

Projektziel: Demonstrator und Validierungsdatensatz

SensAI befindet sich in der Entwicklungsphase. Die beteiligten Institute bauen die Sensorik und Datenverarbeitung für eine multimodale Fahrerzustandserkennung auf und bereiten die Integration in Versuchsträger vor. Als zentrale Projektergebnisse sind ein integrierter Demonstrator, ein multimodaler Validierungsdatensatz und eine empirisch gestützte Messdefinition für kognitive Ablenkung vorgesehen.

Damit sollen Systeme zur Fahrerzustandserkennung systematisch entwickelt, verglichen und geprüft werden können. Für Fahrzeughersteller, Zulieferer und Prüforganisationen ergeben sich damit Anknüpfungspunkte unter anderem bei Sensorintegration, KI-Modellen, Datenerhebung und Validierung.

Projektergebnisse | Leistungsangebot

Aus SensAI entstehen schon während der Projektlaufzeit konkrete Angebote für Fahrzeughersteller, Zulieferer und Prüforganisationen. Sprechen Sie uns an, wenn Sie einen dieser Anknüpfungspunkte für Ihr Vorhaben nutzen möchten!

Icon

Multimodaler Datensatz

Ein annotierter Teil des DSGVO-konform erhobenen Datensatzes (Video, Audio, Vitaldaten, Fahrzeugsignale aus Versuchsfahrzeugen und Fahrsimulator) wird für die Forschung frei veröffentlicht.

Der vollständige Trainingsdatensatz kann von Unternehmen lizenziert werden, um eigene Modelle für kontextsensitive Fahrerbeobachtung zu trainieren.

Icon

Unabhängiger Benchmark

Ein bewusst nicht veröffentlichter Validierungsdatensatz mit Referenzmessung dient als Goldstandard. Damit lassen sich Systeme zur Erkennung kognitiver Ablenkung objektiv und vergleichbar bewerten, und zwar in Szenarien, die mit dem Projektbeirat abgestimmt sind.

Icon

 

Bausteine und Machbarkeitsstudien

Die Encoder für Bild, Vitaldaten und Audio sowie der erklärbare Ablenkungs-Score lassen sich in bestehende Systeme integrieren. Gemeinsam mit Ihnen prüfen wir, wie sich diese Bausteine in Ihre Systemarchitektur einfügen.

 

Das könnte Sie auch interessieren!

Forschungsthema

Intelligente akustische Sensorik

Hören, worauf es ankommt – dank smarter Sensorik

 

Audiofields für Automotive Audio

Die Audioplattform für das Fahrzeug der Zukunft: Ganzheitliches Soundmanagement zur Erstellung immersiver und interaktiver Audioinhalte

Forschungsthema

Analyse und Annotation von Audio- und Videoinhalten

Extrahieren aussagekräftiger Daten aus audiovisuellen Inhalten

Forschungsthema

Sound Field Control

Guter Klang, statt Lärm