SMM 2018: Dialogorientiertes Trainingssystem für die Kommunikation auf See

Aktuelles / 3.9.2018

Roboter mit intelligenter Sensorführung für den Schiffsbau, Detektion von Schiffbrüchigen per Radar, automatische Spracherkennung – das sind nur einige der Entwicklungen, die Fraunhofer-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle B6, Standnummer 319, präsentieren. Das Fraunhofer IDMT aus Oldenburg zeigt ein dialogorientiertes Trainingssystem für die sichere Kommunikation auf See.

© Fraunhofer IDMT/Daniel Schmidt

Automatische Spracherkennung für die maritime Kommunikation, das Crewing und eLearning

Oldenburg, 3.9.2018. Fehlkommunikation ist ein wichtiger Auslöser für Vorfälle auf See. Um Sprachbarrieren bei mehrsprachigen Besatzungen zu überwinden, wurden die IMO Standard Marine Communication Phrases eingeführt. Am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand auf der SMM 2018 präsentiert das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT aus Oldenburg ein dialogorientiertes Trainingssystem auf Basis der automatischen Spracherkennung zum Ausprobieren.

Spracherkenner »von der Stange« reicht nicht

Das Ziel ist die Verbesserung der Schiff-zu-Schiff- und Schiff-zu-Land-Kommunikation durch die Integration von Spracherkennung in Kommunikations- und Lernsysteme und in das Crewing. »Das Fraunhofer IDMT hat eine hohe Kompetenz im Bereich der Spracherkennung, so dass bereits Systeme zur Verfügung stehen, die durch normale Umgebungs- und Störgeräusche kaum mehr irritiert werden. Vor allem funktioniert unsere Technologie auch ohne eine Verbindung zum Internet, also lokal beim Nutzer. Unsere Systeme werden für die Kommunikation auf See optimiert und auf den spezifischen Kommunikationsalltag angepasst.«, erklärt Jens Appell, Abteilungsleiter Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie am Fraunhofer IDMT.

Am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle B6, Standnummer 319, präsentieren Fraunhofer-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der SMM 2018 vielfältige Entwicklungen der maritimen Forschung. Im Fokus der Fraunhofer-Forschung stehen dabei nicht nur Effizienz und Umweltauswirkungen der Seeschifffahrt, sondern auch die integrierte Betrachtung von Digitalisierung, Automatisierung und Entwicklung neuer Fertigungstechnologien im Kontext von Industrie 4.0.

Sieben Fraunhofer-Einrichtungen, die sich zur Gruppe Waterborne zusammengeschlossen haben, zeigen auf der SMM ihre maßgeschneiderten Lösungen für Reedereien, Werften, Häfen, Logistikdienstleister und die maritime Zulieferindustrie:

Das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen CML aus Hamburg arbeitet an einer neuartigen Rumpfbeschichtung mit biomimetischen Eigenschaften. Der Schwimmfarn, der als Vorbild hierfür dient, und erste Proben aus der Vorlaufforschung werden in Wasserbecken ausgestellt. Außerdem stellt das CML aktuelle Entwicklungen aus seinen Arbeiten zur autonomen Schifffahrt vor.

Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD forscht in Rostock am Einsatz von Visual Computing in der maritimen Branche. In diesem Jahr stellt das IGD eine Datenbrille vor, mit der die vielfältigen Informationen beispielsweise im Konstruktionsbereich virtuell verfügbar gemacht werden. Besucher dürfen die dafür eingesetzte „HoloLens“ auf dem Stand testen.

Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM aus Bremen stellt an einem Schiffsmodell seine Entwicklungen für neue Oberflächen für Schiffsrümpfe vor. Zusätzlich informieren die Forscher über ihre Testumgebungen auf Helgoland und Sylt, die für die wissenschaftliche Erforschung von beispielsweise Korrosions- und Bewuchsschutz unter realen Umweltbedingungen von Nord- und Ostsee genutzt werden können.

Die Ortung von Schiffbrüchigen ist die Grundvoraussetzung für die Bergung von Personen im Wasser. Je höher die Wellen steigen, desto schwieriger wird jedoch der Sichtkontakt. Eine neuartige Lösung für die Detektion von Personen oder auch anderen Gegenständen im Wasser hat ein Forschungskonsortium unter Mitwirkung des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR aus Wachtberg entwickelt. Das auf der SMM ausgestellte Radar empfängt frequenzmodulierte Signale, die ein neuartiger Transponder erzeugt, und spürt eine entsprechend ausgerüstete Person auch in einer Menschenmenge auf.

Neueste Entwicklungen für die Fertigung stellt die Fraunhofer-Einrichtung für Groß­strukturen in der Produktionstechnik IGP aus Rostock vor. Gleich zwei Roboter zeigen den Stand der Technik in der maritimen Produktion durch den Einsatz von intelligenter Sensorführung und innovativer Bildverarbeitung. Die autonome Programmierung der Roboter stellt dabei einen neuen Schritt zur wirtschaftlichen Umsetzung dar.

Das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF aus Darmstadt zeigt innovative Elemente zur Schwingungsreduktion im maritimen Umfeld. Insbesondere Schwingungen und Vibrationen in Antriebssträngen von Haupt- und Nebenaggregaten führen im maritimen Einsatz zu unerwünschten Nebeneffekten wie erhöhtem Verschleiß und Geräuschemissionen verbunden mit einer insgesamt reduzier­ten Minderung der Einsatzdauer. Eine vom LBF entwickelte Toolbox erarbeitet Optimie­rungen und Lösungsvorschläge durch den Einsatz analytischer und numerischer Methoden.

 

Neu in diesem Jahr: Jeden Tag um 11 Uhr und um 15 Uhr werden die Fraunhofer-Forscher ausgewählte Lösungen in kurzen Vorträgen und Demonstrationen vorstellen.

Das Fraunhofer Forum Waterborne findet am 5.9.2018 auf der SMM statt. Thema der Veranstaltung ist dieses Mal »Shipping Under Extreme Conditions«. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.cml.fraunhofer.de.

Das Fraunhofer IDMT aus Oldenburg und das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD aus Rostock informieren darüber hinaus als Partner des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Bremen am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand Fach- und Führungskräfte kleiner- und mittelständischer Unternehmen (KMU), wie sie ihre Digitalisierungskompetenz steigern können. Exponate geben den Besuchern wertvolle Einblicke in die Chancen und Vorteile der Digitalisierung für KMU. Dazu zählen unter anderem die akustische Prozessüberwachung für die Qualitätssicherung, digitale Assistenten als Mensch-Maschine-Schnittstellen, der Umgang mit 3D-Daten in der technischen Produktgestaltung, das Thema Digitaler Zwilling oder auch die Mustererkennung. Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Bremen ist Teil der Initiative »Mittelstand 4.0 - Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse« im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

 

Über den Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg

Ziel des Institutsteils Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer IDMT ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Hörwahrnehmung in technologischen Anwendungen umzusetzen. Schwerpunkte der angewandten Forschung sind die Verbesserung von Klang und Sprachverständlichkeit, die personalisierte Audiowiedergabe und die akustische Sprach- und Ereigniserkennung. Über wissenschaftliche Kooperationen ist das Fraunhofer IDMT eng mit der Carl von Ossietzky Universität, der Jade Hochschule und anderen Einrichtungen der Oldenburger Hörforschung verbunden. Das Fraunhofer IDMT ist Partner im Exzellenzcluster »Hearing4all«.

WE MAKE IT LISTEN! »Wir bringen Ihren Geräten das Hören bei.«

Mit den am Fraunhofer IDMT entwickelten Spracherkennern steuern Unternehmen ihre Maschinen zuverlässig auch in lauter Umgebung und auf Wunsch ohne Datentransfer in das Internet. Oder sie bringen mit dem Fraunhofer IDMT in Oldenburg die Spracherkenner in ihre eigenen Produkte und generieren so Alleinstellungsmerkmale und neue Mehrwerte für ihre Kunden. Unter anderem im Bereich Industrie 4.0 sucht das Fraunhofer IDMT mit Verfahren für die akustische Ereignisüberwachung nach auffälligen Geräuschen direkt an Maschinen oder bei der Qualitätskontrolle von Produkten. So können Schäden vermieden und Ausfallzeiten gering gehalten werden.