Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie in Oldenburg soll Fraunhofer-Institut werden

Aktuelles / 2.4.2019

2008 wurde die Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT ins Leben gerufen. Heute ist die Projektgruppe eine erfolgreiche Einheit mit 40 Mitarbeitenden, die Partner und Kunden aus den Bereichen Industrie 4.0, Automotive, Consumer Electronics, Verkehr, Sicherheit, Telekommunikation und Gesundheit anspricht. Gemeinsam mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) hat die Fraunhofer-Gesellschaft eine Ausbauplanung für die HSA entwickelt, um die Arbeitsgruppe in ein eigenständiges Fraunhofer-Institut für Hör-, Sprach- und Neurotechnologie HSN zu überführen. Hierzu unterzeichneten am 2. April 2019 Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, und Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, im Rahmen der Hannover Messe ein Memorandum of Understanding.

Unterzeichnung des Memorandum of Understandig
© Fraunhofer

Bei der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding zur Weiterentwicklung der Projektgruppe HSA zu einem eigenständigen Fraunhofer-Institut (v.l.n.r.): Stephan Albani, MdB, Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, Dr. Jens-E. Appell, Abteilungsleiter Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA, Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Alexander Kurz, Mitglied des Vorstands der Fraunhofer-Gesellschaft.

Professor Dr. rer. nat. Dr. med. Birger Kollmeier, Leiter Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg.
© Fraunhofer IDMT/Markus Hibbeler

Professor Dr. rer. nat. Dr. med. Birger Kollmeier, Leiter Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg.

Dr. rer. nat. Jens-E. Appell, Abteilungsleiter Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA, Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg.
© Fraunhofer IDMT/Markus Hibbeler

Dr. rer. nat. Jens-E. Appell, Abteilungsleiter Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA, Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg.

Ziel der mittlerweile zum Institutsteil gewordenen Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA war es zunächst, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Hörwahrnehmung des normalen und des beeinträchtigten Gehörs in technologische Anwendungen umzusetzen. Inzwischen gehen die Lösungen der Projektgruppe jedoch weit über die ursprünglich gesteckten Forschungsziele hinaus und kommen auch in den Bereichen Gesundheit, Verkehr, Automotive, Produktion, Consumer Electronics, Sicherheit sowie Telekommunikation zum Einsatz.

Dr. Jens-E. Appell, Abteilungsleiter des Institutsteils HSA, führt aus: »In den vergangenen zehn Jahren ist es uns gelungen, die Ergebnisse aus der Hörforschung in viele Bereiche der Wirtschaft sowie Gesellschaft zu tragen und dort wichtige Beiträge zu leisten. Dazu gehört u.a. eine robuste Spracherkennung zur berührungslosen Steuerung industrieller Maschinen, die akustische Erkennung von Hilferufen, die Detektion sich nähernder Einsatzfahrzeuge oder auch die verbesserte Kommunikation durch persönliche Hörsysteme. Diese Ansätze wollen wir mit einer strategische Weiterentwicklung in Richtung eines Instituts für Hör-, Sprach und Neurotechnologie am Standort Oldenburg weiter verfolgen und voranbringen.«

Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier, Leiter des Institutsteils HSA, spricht den vorhandenen Netzwerken und dem Standort in Oldenburg umfangreiche Mehrwerte zu: »Unsere erneute Teilnahme innerhalb des Exzellenzclusters ›Hearing4all‹ werden wir für gewinnbringende und möglichst weitreichende Kooperationsansätze nutzen. Zudem schafft die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit von HSA mit der Carl von Ossietzky Universität, der Jade Hochschule sowie weiteren Einrichtungen der Oldenburger Hörforschung optimale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ausbau unserer Forschung.« Darüber hinaus kann auch die European Medical School (EMS) als Teil der hervorragenden Rahmenbedingungen des Forschungsstandorts Oldenburg benannt werden.

 

Aufbauend auf den bisherigen Arbeiten sollen im neuen Fraunhofer-Institut HSN die Bereiche »Connected Health«, »Neurotechnologie«, »The Hearing Car«, »HSN4Production«, sowie »Voice Enabled Devices« ergänzt und zu einem Portfolio mit Alleinstellungsmerkmalen ausgebaut werden.

 

Spitzenforschung weiter vorantreiben      

Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, erklärt: »Oldenburg ist in der Hörforschung ein international sichtbarer Leuchtturm. Das wurde mit dem Erfolg des Exzellenzcluster-Antrags ›Hearing4All‹ bei der Exzellenzstrategie vor einem halben Jahr erneut unter Beweis gestellt. Es freut mich deshalb sehr, dass wir mit der heutigen Unterzeichnung des Memorandum of Understanding zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft einen konkreten Fahrplan festgelegt haben, wie aus der bisherigen Fraunhofer-Projektgruppe in den kommenden fünf Jahren ein eigenständiges Fraunhofer-Institut für Hör-, Sprach- und Neurotechnologie entwickelt werden soll. Damit stellen wir für die Zukunft sicher, dass die Erfolge in der Forschung auch in der Praxis Anwendung finden.«

Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, erklärt: »Mit dem heutigen Memorandum of Understanding zwischen der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Land Niedersachsen gehen wir einen bedeutenden Schritt in Richtung eines neuen Fraunhofer-Instituts für Hör-, Sprach- und Neurotechnologie HSN. Das neue Institut soll unsere bestehenden Kompetenzen ergänzen und unsere Forschung in strategisch wichtigen Bereichen wie Industrie 4.0, dem Automotive-Sektor, der Medizinforschung oder der Telekommunikation stärken und weiter vorantreiben. Große Bedeutung kommt hierbei auch dem Standort Oldenburg zu. Die hervorragende Forschungsinfrastruktur und die Nähe zur Carl von Ossietzky Universität ist für den langfristigen Erfolg des neuen Instituts eine außerordentlich wertvolle und aussichtsreiche Grundlage.«

 

Gemeinsame Ausbauplanung

Gemeinsam mit dem MWK hat die Fraunhofer-Gesellschaft eine Ausbauplanung für die HSA entwickelt. Das Konzept sieht vor, mit Unterstützung von Landesmitteln in Höhe von 15 Mio Euro in einem Zeitraum von fünf Jahren die Projektgruppe HSA in ein eigenständiges Fraunhofer-Institut für Hör-, Sprach- und Neurotechnologie HSN zu überführen. Im Anschluss wird mithilfe externer Fachgutachter eine Evaluation durchgeführt, deren Ergebnisse als Grundlage für die Entscheidung über die Überführung von HSA in ein eigenständiges Fraunhofer-Institut HSN dienen.

Durch die voraussichtliche Institutsgröße von 130 Köpfen wird ein eigenes Institutsgebäude für das Fraunhofer HSN erforderlich. Dafür ist in dem Konzeptpapier eine Finanzierung vorgesehen, die zu gleichen Teilen vom Land Niedersachsen und der Fraunhofer-Gesellschaft getragen wird. Eine erste Abschätzung der Kosten für den Neubau geht von einer Gesamtsumme von ca. 40 Mio Euro aus.