In-Ear-Kommunikationssysteme mit guter Wiedergabequalität und gleichzeitiger Dämpfung der Umgebungsgeräusche gehören heutzutage in vielen professionellen Anwendungen zum Standard. So tragen beispielsweise Musikerinnern und Musiker auf großen Bühnen In-Ear-Monitoring-Systeme oder Arbeitende in lauten Umgebungen verpflichtend einen Gehörschutz. Die passive Dämpfung der Umgebungsgeräusche in diesen Systemen sorgt neben dem Schutz des Hörsinns dafür, dass der Klang von Instrumenten und Gesang auf der Bühne sowie Geräusche von außen für die Tragenden verständlich bleibt. Jedoch kann dadurch auch das Gefühl schwinden, mit der Umwelt zu interagieren. Gerade bei hohen Frequenzen steigt die passive Dämpfung an, sodass Außenschalle, wie eine jubelnde Menge oder Warntöne einer Maschine, dumpf und unnatürlich klingen. Das gleiche gilt durch den abgeschlossenen Gehörgang auch für körpereigene Geräusche (Okklusionseffekt).
Im Projekt »MEGA« soll ein personalisierbares In-Ear-Kommunikationssystem mit sehr gutem »akustischem Tragekomfort« entwickelt werden. Mit Hilfe innovativer Geometrien des Ohrpassstücks arbeiten die Forschenden daran, den Okklusionseffekt zu regulieren. Mittels Bussystem und Steckverbindung soll es einfach auszutauschen sein, damit unterschiedliche Märkte und Funktionen bestmöglich bedient werden können.
Aufgabenbereich des Fraunhofer IDMT-HSA
In einem eigenen Teilprojekt widmet sich das Fraunhofer IDMT in Oldenburg der Entwicklung von Algorithmen für einen hochwertigen, personalisierbaren Transparenzmodus. So soll die Wiedergabe des Außenschalls im In-Ear-System unverfälscht in der Gesamtlautstärke abgesenkt werden können und anhand individueller Präferenzen, z. B. für die Wiedergabe von Sprache, Instrumenten und weiteren Geräuschen, oder auch auf spezielle Bedürfnisse bei Hörverlust eingestellt werden können. Anders als bei den meisten Lösungen im Markt wird bei den Entwicklungen im Projekt »MEGA« berücksichtigt, dass jeder Mensch individuelle Hörpräferenzen und eine individuelle Lautheitswahrnehmung hat. Auch die Gewährleistung einer besonders niedrigen Wiedergabelatenz, einer optimalen Sprachaufnahme sowie einer intuitive Nutzerschnittstelle gehört zum Aufgabenbereich der Forschenden. Ein weiterer wichtiger Teil des Projekts besteht in der optimalen Aufarbeitung der Eigensprache zur Kommunikation mit anderen Personen. Hierbei kommen Algorithmen der künstlichen Intelligenz zum Einsatz, welche eine klare Kommunikation auch in sehr schwierigen akustischen Situationen ermöglichen.