iNetVoice

Die nächste Generation des Stationsrufs

Entwicklung eines Systems zur akustischen Hilferufauslösung und Kommunikationsfunktion für den Pflegeruf zur Verwendung in Pflegeheimen

Die Anforderungen an ein Lichtrufsystem, auch Stationsruf genannt, ändern sich gegenwärtig. Neben neuen rechtlichen Anforderungen der DIN-Norm für solche Anlagen (VDE0834) wird insbesondere die zunehmende individuelle Mobilität der Nutzer der Einrichtung möglich. Wesentliche Innovationen sind dabei die vernetzte Indoor-Lokalisation der Rufsysteme und die berührungslose Hilferufauslösung per Sprachbefehl.

Gegenwärtig kann eine Patientin oder ein Patient bei einem Servicebedarf lediglich das Pflegepersonal per Lichtruftaster rufen, ein konkretes Anliegen kann noch nicht kommuniziert werden – so muss das Pflegepersonal doppelte Wege zurücklegen (Pflegeruf - die Patientin bzw. der Patient möchte etwas Trinken – Wasser aus der Küche holen – zurück zur Patientin / zum Patienten). Insbesondere weitläufigere Pflegeheime sind daher dazu übergegangen, zum Teil die Zimmertelefone für Rückfragen zu nutzen. Das Lichtrufsystem soll daher um eine Möglichkeit zur Sprachsignalisierung erweitert werden. Gleichzeitig ergeben sich daraus neue Nutzungsmöglichkeiten, wie die Integration von Multimediadiensten, wie Radio oder Fernsehen.

Der Anteil von dementen Patientinnen und Patienten in Pflegeeinrichtungen nimmt mit zunehmend höherem Alter der Bewohner zu. Diese Personen sind körperlich noch mobil und ein höherer Grad an Bewegung ist für die individuelle Gesundheit angestrebt. Gleichzeitig müssen die Betreibenden von Betreuungseinrichtungen auch die Sicherheit der oft desorientierten Patientinnen und Patienten gewährleisten. Häufig werden dazu Durchgänge und Türen gesichert. Eine Alternative zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit ist die Möglichkeit zur Lokalisation innerhalb der Einrichtung. Ein »offenes Haus« mit unsichtbaren Überwachungseinrichtungen an den Ein- und Ausgängen und variablen, personenbezogenen Bewegungszonen ist seit vielen Jahren ein Wunsch von Heimbetreibern und Pflegedienstleitungen, welches auf Messen und anderen öffentlichen Veranstaltungen bei der Firma Ilper Elektronik nachgefragt wurde. Hiermit könnte die Pflegeeinrichtung eine erheblich höhere Sicherheit der Bewohner gewährleisten und die Pflegekräfte stark entlasten. Eine Lokalisierung von hilfebedürftigen Personen im Falle eines Notrufs würde auch ein schnelleres Auffinden dieser Person im Gebäude zur Folge haben.

Zudem haben offene Konzepte in der Demenzbetreuung gezeigt, dass die Zufriedenheit und Gesundheit von dementen Personen in Heimumgebungen durch die Ermöglichung eines höheren Grades an Mobilität gesteigert werden können. Indoor-Lokalisation ist im Bereich Pflege und Ambient-Assisted Living bereits mehrfach im Rahmen von Forschungsprojekten untersucht worden (z.B. MOBECS und PareSense). Die praktische Umsetzung erfordert jedoch eine hohe Anzahl von (nachzurüstender) Sensorik in den entsprechenden Häusern. Im Rahmen dieses Projektes soll basierend auf den bisherigen Erkenntnissen aus Forschungsprojekten ein produkt- und marktreifes System zur standardmäßigen Integration in die Zimmerelektronik entwickelt werden. Dadurch können insbesondere bei Betreuung von dementen Patientinnen und Patienten auf Betreiberseite Kosten für separate Desorientiertenschutzsysteme gespart werden, gleichzeitig kann dementen Personen so ein größerer individuellerer Freiraum ermöglicht werden.

Integrierte Hilferuferkennung durch automatische Spracherkennung

Ein weiteres Thema ist das automatische Auslösen des Notrufsystems bei Vorliegen bestimmter Notfallsituation. In den gemeinsamen Projekten MOBECS und PareSense haben die Projektpartner Ilper Elektronik und Fraunhofer IDMT bereits gezeigt, dass ein Notruf per Sprachbefehl technisch möglich ist. Bislang erfordert die Integration der Algorithmen für das akustische Monitoring jedoch relativ leistungsfähige Hardware, die aufgrund von Kosten und Energieverbrauchskriterien so nicht in größerem Maßstab eingesetzt werden kann. Im Rahmen dieses Projektes soll auf Basis von neuen Verfahren auf der Grundlage neuronaler Netze ein akustischer Erkenner entwickelt werden, der auf Low-Power Standardhardware in großem Umfang eingesetzt werden kann. So sollen die im Vorfeld identifizierten Schwächen der Prototypen beseitigt werden und die zur Markteinführung nötige Robustheit erreicht werden.

Ziel des Projekts

Ziel ist die Entwicklung der nächsten Generation von Lichtrufsystemen (Stationsruf) für Alten- und Pflegeheime mit vernetzter Indoor-Lokalisation und die einfache Hilferufauslösung durch Sprache.

Aufgabenbereiche des IDMT-HSA

  • Entwicklung einer integrierten Hilferuferkennung zur Nutzung im Pflegezimmer
  • Sichere Verfahren zur Audioübertragung für die Spracherkennung und Kommunikation

Das Projekt wird durch das Land Niedersachsen und die europäische Union im Rahmen des Niedersächsischen Innovationsförderprogramms für Forschung und Entwicklung in Unternehmen unterstützt.

Spracherkennung für Produkte und Prozesse

Spracherkennungssysteme ermöglichen die blickfreie und berührungslose Bedienung von technischen Systemen. Die Spracherkennungssysteme des Fraunhofer IDMT funktionieren unter anspruchsvollen akustischen Bedingungen - mit und ohne Verbindung zum Internet.